Wiener Neustadt
27.04.2021

Schließen Glaube und Medizin einander aus?

Bild zum Weblog

In diesem kurzen Text von Dr. Ernő Ősz-Farkas, dem Vorsteher der Donau-Vereinigung in Ungarn, geht er der Frage nach, wie wir heute mit den aktuellen Herausforderungen umgehen können und welche biblischen Hinweise wir dafür haben.

Veröffentlicht am 26. März 2021 (Original in ungarisch)

„Es geschah aber, dass der Vater des Publius am Fieber und an der Ruhr darniederlag. Zu dem ging Paulus hinein und betete und legte ihm die Hände auf und machte ihn gesund.“ (Apostelgeschichte 28,8)

Es gibt Menschen, die behaupten Christen bräuchten keine Ärzte, es reiche, wenn sie Glauben haben, Jesus sei der einzige Arzt, dem wir vertrauen können.

Einen Teil dieser Behauptung kann man nicht bestreiten: Jesus ist tatsächlich der größte Arzt. Sein Dienst hingegen vermittelt uns jedoch nirgendwo, dass eine menschliche Heilbehandlung überflüssig oder nicht vertrauenswürdig wäre. Er selbst sagt: „Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.“ (Lukas 5,31). Diese berühmte Aussage Jesu wurde gleich von drei Evangelisten festgehalten: Matthäus, Markus und Lukas. Jesus bekräftigt damit, dass Kranke ärztlicher Hilfe bedürfen.

Zur Zeit Jesu schätzten die Griechen Ärzte sehr, während in der jüdischen Gesellschaft Gott als der alleinige Heiler galt. Vor diesem Hintergrund galt die Akzeptanz der menschlichen Heilkunst als neuartiger Trend.

Der zweite Beweis neben dieser biblischen Bestätigung des ärztlichen Dienstes ist die Auserwählung des Evangelisten Lukas. Von den vier Evangelisten erhielt einer in seiner Eigenschaft als Arzt die Aufgabe, aus seiner individuellen Perspektive über das Leben Jesu zu schreiben. In Kolosser 4,14 beschreibt der Apostel Paulus Lukas als „geliebten Arzt“. Selbst wenn wir in den Briefen des Apostels keine solche Aussage finden würden, wäre es immer noch klar, dass das Lukasevangelium von einem Arzt geschrieben wurde.

Der Kirchenhistoriker Adolf van Harnack listet in seinem 1907 verfassten Werk sechs Argumente auf, die beweisen, dass sowohl das Lukasevangelium als auch die Apostelgeschichte von einem Arzt geschrieben wurden:

  1. Eine medizinische Betrachtungsweise zeigt sich in beiden Büchern.
  2. Die Betonung der Heilung von Krankheiten ist ein wichtiger Aspekt in seinen Schriften.
  3. Der Gebrauch medizinischer Fachbegriffe auch dort, wo die anderen Evangelien laienhafte Sprache verwenden.
  4. Genaue Diagnosen – Symptome werden beobachtet, aufgezeichnet und fachmännisch Diagnosen erstellt, mit einem besonderen Augenmerk auf das Stadium der Krankheit
  5. Verwendung medizinischer Ausdrücke auch in den Teilen, in denen nichtmedizinische Sachverhalte beschrieben werden.
  6. Er verwendet mit Vorliebe den zeitgenössischen medizinischen Jargon.

Lukas´ Sichtweise als Mediziner spiegelt sich auch darin wider, dass er mit besonderem Mitgefühl von Leidenden berichtet, er zeigt Verständnis für das schwächere Geschlecht und zeigt den Zusammenhang zwischen Erkrankungen und seelischen Schmerzen auf.

In seinem Evangelium berichtet er von 17 Heilungsgeschichten (Matthäus 14; Markus 13; Johannes 4) und gibt 7 zusammenfassende Berichte über Heilungen. Obwohl er Arzt ist, beschreibt er die Heilungsgeschichten als Erfüllung von Jesu Programmrede (Lukas 4, 16-21), die seine göttliche Natur beweist.

Die Betonung des medizinischen Zugangs schließt die Manifestation der unmittelbar von Gott kommenden Heilkraft nicht aus. In Apostelgeschichte 28, 8-9 beschreibt Lukas wie Paulus auf Malta Publius, den Vater des Hauptmanns der Insel heilte. Im Original wird der griechische Begriff „iasato“ verwendet, der auf eine Heilung durch ein Wunder hinweist. In Vers 9 lesen wir, dass auch die anderen Kranken auf der Insel zu ihnen kamen und geheilt wurden. Im Griechischen wird hier das Wort für Therapie gebraucht. Paulus vermittelte Gottes unmittelbare Heilkraft, während sein Reisebegleiter Lukas die durch Ärzte offenbarte Weisheit Gottes vermittelte, obgleich der Autor ganz bescheiden seine eigene Rolle in der Geschichte nicht hervorhebt.

Die Quelle der Heilung ist dieselbe. Hinter beiden steht ein gnädiger und heilender Gott, der den Menschen liebt und bereit ist, alles zu tun, um Schmerzen und Leid zu lindern. Seelische und physische Hilfe müssen auch heute Hand in Hand gehen. Der Glaube an die Kraft Gottes und die Medizin dienen einem gemeinsamen Zweck.

Wir leben in schwierigen Zeiten. Einige unserer Geschwister in Ungarn wurden in den letzten Wochen an Beatmungsgeräte angeschlossen, viele leiden unter den Komplikationen der Virusinfektion. Es ist unsere große Verantwortung und unser Privileg, uns im Gebet an den großen Arzt zu wenden und gleichzeitig die andere Quelle der Lösung anzunehmen, für die unser Herr den Ärzten Weisheit geschenkt hat.

Gottes Ziel ist es, Leben zu beschützen. Lasst uns in diesen schwierigen Tagen an seiner Seite stehen.

Dr. Ernő Ősz-Farkas
Vorsteher der Donau-Vereinigung in Ungarn

Bild 1 zum Weblog 1084

zur Artikelübersicht 2021